MPU nach Cannabis: Was du jetzt wissen musst
Seit dem 22. August 2024 gilt nach § 24a Abs. 1a StVG ein Grenzwert von 3,5 ng/ml THC im Blutserum. Für Fahranfänger in der Probezeit und Fahrende unter 21 Jahren gilt stattdessen § 24c StVG mit einem absoluten Cannabisverbot, angesetzt beim Nachweisgrenzwert von 1,0 ng/ml. Diese Seite erklärt, was bei der Cannabis-MPU geprüft wird und wie du dich vorbereiten kannst.
Inhaltlich geprüft von der MPUfy-Redaktion · Stand 08/2026
Grenzwerte und Ablauf ansehen ↓THC-Grenzwerte im Überblick
Seit der Cannabis-Teillegalisierung im April 2024 gelten neue Werte nach § 24a StVG.
Hinweis: Das sind keine Rechts- oder Medizinberatung. Grenzwerte können sich ändern. Bei rechtlichen Fragen wende dich an einen Verkehrsrechtsanwalt.
Was bei der Cannabis-MPU geprüft wird
Die Cannabis-MPU prüft drei Bereiche. Die genaue Ausgestaltung kann je nach Begutachtungsstelle und Anlass variieren.
Medizinische Untersuchung
Urin- oder Haaranalyse auf THC-COOH, körperliche Untersuchung, ärztliches Gespräch zum Konsumverhalten. Alkoholmarker wie CDT, GGT oder MCV kommen nur dazu, wenn auch eine Alkoholfrage im Raum steht.
Psychologisches Gespräch
Konsumgeschichte, Einstieg und Ausstieg, Rückfallrisiko, Veränderungsmotivation, Alltagsstabilität. Das ist der Kern der Begutachtung.
Leistungstests
Reaktionszeit, Konzentration, geteilte Aufmerksamkeit. Standard-Computertests, die sich durch Übung verbessern lassen.
Vorbereitung Schritt für Schritt
Ein realistischer Überblick. Was in deinem Fall konkret verlangt wird, hängt von der behördlichen Fragestellung ab.
Zuerst klären, was verlangt wird
Lies die Aufforderung der Fahrerlaubnisbehörde genau: Welche Fragestellung steht darin? Seit der Cannabis-Reform ist Abstinenz nicht mehr automatisch der vorgezeichnete Weg — je nach Fall kommt auch ein belegter risikoarmer Umgang in Betracht. Erst wenn klar ist, was gefordert ist, lohnt sich der Gang zum Anbieter. Ein zu früh oder falsch gewähltes Programm kostet Monate und Geld.
Jetzt sinnvoll
Regelmäßige Urintests dokumentieren
Tests in einem anerkannten Labor machen lassen und sorgfältig aufbewahren. Lückenloser Nachweis ist entscheidend. Nicht auf eigene Faust beginnen, bevor die Anforderungen aus der Anordnung geklärt sind.
Jetzt sinnvoll
Konsumgeschichte aufarbeiten
Das Gespräch prüft Einsicht und Veränderung. Verstehe, warum du konsumiert hast und was sich dauerhaft geändert hat. Blankes Auswendiglernen hilft weniger als echte Selbstreflexion.
Jetzt sinnvoll
Leistungstests vorbereiten
Reaktionszeit und Konzentration lassen sich durch regelmäßiges Üben gezielt verbessern. Frühzeitig anfangen lohnt sich.
Jetzt sinnvoll
Termin bei der Begutachtungsstelle beantragen
Nach abgeschlossenem Abstinenznachweis Termin bei TÜV, DEKRA oder pima beantragen. Unterlagen rechtzeitig zusammenstellen.
Jetzt sinnvoll
Wann bin ich clean? THC-Abbau einschätzen
Der THC-Abbau-Rechner zeigt eine grobe Einschätzung, wie lange THC in Blut und Urin nachweisbar bleiben kann. Kein Ersatz für anerkannte Labortests.
Häufige Fragen zur Cannabis-MPU
Konkrete Antworten, keine Schönrederei.
- Der Bußgeld-Grenzwert liegt seit dem 22. August 2024 bei 3,5 ng/ml THC im Blutserum (§ 24a Abs. 1a StVG). Ob eine MPU angeordnet wird, ist davon aber nicht abhängig: Das entscheidet die Fahrerlaubnisbehörde nach eigenen Maßstäben und kann auch unterhalb dieses Werts geschehen. Bei regelmäßigem Konsum oder Wiederholung ist eine MPU deutlich wahrscheinlicher als bei einem isolierten Verstoß.
- Drei Bereiche: medizinische Untersuchung (Blutbild, Urintest, ärztliches Gespräch), psychologisches Gespräch (Konsumverhalten, Einsicht, Veränderung) und in vielen Fällen Leistungstests (Reaktion, Konzentration).
- Im Serum: nach einzelnem Konsum etwa 6 bis 12 Stunden; bei häufigem oder mehrfach täglichem Konsum deutlich länger als 24 Stunden, das Abbauprodukt THC-COOH sogar mehrere Tage bis hin zu zwei oder drei Wochen. Im Urin: bei vereinzeltem Konsum 2 bis 4 Tage, bei mehrmals wöchentlichem Konsum etwa 5 bis 14 Tage, bei Dauerkonsum 2 bis 6 Wochen und im Einzelfall länger. Im Haar: rund 1 cm je Monat, ausgewertet werden bis zu 6 cm — also etwa ein halbes Jahr. Genaue Angaben für deinen Fall liefert der THC-Abbau-Rechner.
- Nicht zwangsläufig. Seit der Cannabis-Reform und der Neufassung der Beurteilungskriterien im Jahr 2026 kann neben dem Verzicht auch ein belegter moderater, risikoarmer Umgang als Ziel infrage kommen. Gleichwertig sind die beiden Wege aber nicht: Welcher überhaupt offensteht, hängt davon ab, wie ausgeprägt die Konsumproblematik ist. Bei einer verfestigten Problematik bleibt der Verzicht der einzige tragfähige Weg. Belegt werden muss in beiden Fällen — durch Laborbefunde und eine nachvollziehbare Darstellung. Welcher Weg in deinem Fall trägt und über welchen Zeitraum, hängt zusätzlich von der behördlichen Fragestellung und deiner Vorgeschichte ab. Kläre das, bevor du ein Programm buchst: Ein zu früh oder falsch begonnener Nachweis kostet Monate.
- Nein. Für Fahranfänger in der Probezeit und Personen unter 21 Jahren gilt nach § 24c StVG ein absolutes Cannabisverbot am Steuer; herangezogen wird dafür der Nachweisgrenzwert von 1,0 ng/ml THC im Blutserum. Der Grenzwert von 3,5 ng/ml nach § 24a Abs. 1a StVG gilt nur außerhalb der Probezeit ab 21 Jahren. Wichtig außerdem: Diese Werte betreffen das Bußgeldrecht. Ob die Fahrerlaubnisbehörde eine MPU anordnet, richtet sich nach eigenen Maßstäben und kann schon unterhalb von 3,5 ng/ml der Fall sein.
- Ja, erheblich. Die Teillegalisierung trat im April 2024 in Kraft, der THC-Grenzwert von 3,5 ng/ml folgte am 22. August 2024. Auch die Beurteilungskriterien, nach denen Gutachter arbeiten, wurden 2026 deshalb neu gefasst — vor allem beim Thema Abstinenz. Unverändert gilt: Die MPU prüft Fahreignung, nicht Legalität. Regelmäßiger Konsum bleibt kritisch, auch wenn der Besitz erlaubt ist.
- Das hängt vor allem daran, welcher Nachweis in deinem Fall verlangt wird — das ist der zeitbestimmende Teil und lässt sich nicht pauschal beziffern. Unabhängig davon läuft die inhaltliche Vorbereitung: die Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten für das psychologische Gespräch. Damit kannst du sofort anfangen, auch bevor die Nachweisfrage geklärt ist.
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