Die ärztliche Untersuchung bei der MPU
Was passiert bei der ärztlichen Untersuchung im Rahmen der MPU? Ablauf, Untersuchungsinhalte und worauf der Arzt besonders achtet.
Lesezeit: 7 Min. Lesezeit
Ablauf der ärztlichen Untersuchung
Die ärztliche Untersuchung ist ein fester Bestandteil der MPU und findet in der Regel vor dem psychologischen Gespräch statt. Sie dauert etwa 20 bis 30 Minuten und wird von einem in der Verkehrsmedizin erfahrenen Arzt durchgeführt. Der Arzt erhebt zunächst eine allgemeine Anamnese, in der nach Vorerkrankungen, aktueller Medikation, Suchtmittelkonsum und dem allgemeinen Gesundheitszustand gefragt wird. Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung, die je nach Fragestellung der MPU unterschiedliche Schwerpunkte haben kann.
Körperliche Untersuchung
Die körperliche Untersuchung umfasst eine allgemeine Inspektion des Gesundheitszustands, die Messung von Blutdruck und Puls sowie eine Untersuchung der Reflexe und der Koordination. Der Arzt achtet auf äußere Anzeichen von Suchtmittelkonsum, wie zum Beispiel Hautveränderungen, gerötete Augen oder Zittern der Hände. Auch die Leber wird durch Abtasten untersucht, da chronischer Alkoholkonsum zu einer tastbaren Lebervergrößerung führen kann. Bei Alkohol-Fragestellungen werden zudem spezifische Laborwerte aus einer Blutprobe bestimmt.
Reaktions- und Leistungstests
Im Rahmen der ärztlichen Untersuchung werden häufig auch computergestützte Reaktions- und Leistungstests durchgeführt. Diese Tests messen die Reaktionsgeschwindigkeit, das Konzentrationsvermögen, die Aufmerksamkeitsverteilung und die Belastbarkeit unter Zeitdruck. Die Ergebnisse geben Aufschluss darüber, ob die kognitiven und psychomotorischen Fähigkeiten für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr ausreichen. Bei auffälligen Ergebnissen kann eine Fahrverhaltensbeobachtung angeordnet werden, bei der die praktische Fahrkompetenz unter realen Verkehrsbedingungen überprüft wird.
Laboruntersuchungen
Je nach MPU-Fragestellung werden verschiedene Laborparameter aus dem Blut bestimmt. Bei alkoholbezogenen Fragestellungen sind die wichtigsten Marker die Leberwerte (GGT, GOT, GPT), das mittlere korpuskuläre Volumen der roten Blutkörperchen (MCV), der Alkoholmarker CDT (Carbohydrate-Deficient Transferrin) und der Ethylglucuronid-Wert (EtG) im Urin oder Haar. Bei Drogenfragestellungen wird ein Drogenscreening durchgeführt, das verschiedene Substanzen und deren Abbauprodukte nachweisen kann. Die Laborergebnisse fließen als objektive Befunde in das Gesamtgutachten ein.
Was tun bei auffälligen Befunden?
Auffällige medizinische Befunde müssen nicht zwangsläufig zu einem negativen MPU-Ergebnis führen, sollten aber ernst genommen werden. Erhöhte Leberwerte können auch durch Medikamente, Übergewicht oder Erkrankungen verursacht werden und erfordern gegebenenfalls eine fachärztliche Abklärung. Wer auffällige Blutwerte hat, die nicht auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind, sollte entsprechende ärztliche Befunde zur MPU mitbringen. Es empfiehlt sich, vor der MPU die eigenen Blutwerte beim Hausarzt kontrollieren zu lassen, um mögliche Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und ärztlich abklären zu können.