Blutuntersuchung bei der MPU: Marker und Bedeutung
Welche Blutuntersuchungen werden bei der MPU durchgeführt? Erfahre alles über die wichtigsten Blutwerte, Marker und deren Bedeutung für das Gutachten.
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Überblick über die Blutuntersuchung bei der MPU
Die Blutuntersuchung bei der MPU dient der objektiven Beurteilung des Suchtmittelkonsums und des allgemeinen Gesundheitszustands. Je nach MPU-Fragestellung werden unterschiedliche Parameter bestimmt, wobei bei alkoholbezogenen Fragestellungen andere Marker relevant sind als bei Drogenfragestellungen. Die Blutentnahme erfolgt in der Regel am Tag der MPU direkt in der Begutachtungsstelle oder einem kooperierenden Labor. Die Ergebnisse fließen als objektive Befunde in das Gesamtgutachten ein und werden vom Gutachter im Kontext aller anderen Informationen bewertet.
Alkoholspezifische Blutmarker
Bei alkoholbezogenen MPU-Fragestellungen werden mehrere spezifische Marker bestimmt, die unterschiedliche Aspekte des Alkoholkonsums abbilden. Das CDT (Carbohydrate-Deficient Transferrin) ist ein Langzeitmarker, der chronisch erhöhten Alkoholkonsum über mehrere Wochen anzeigt. Das mittlere korpuskuläre Volumen der Erythrozyten (MCV) kann bei chronischem Alkoholkonsum erhöht sein, da Alkohol die Blutbildung beeinflusst. Ergänzend werden die Leberenzyme GGT, GOT und GPT bestimmt, die Aufschluss über alkoholbedingte Leberschäden geben können.
MCV – der Blutkörperchen-Marker
Das mittlere korpuskuläre Volumen (MCV) misst die durchschnittliche Größe der roten Blutkörperchen und kann bei chronischem Alkoholmissbrauch erhöht sein. Alkohol stört den Folsäure- und Vitamin-B12-Stoffwechsel, was zu einer Vergrößerung der Erythrozyten (Makrozytose) führen kann. Der Normalbereich liegt zwischen 80 und 96 fl (Femtoliter), Werte darüber können auf einen längerfristigen erhöhten Alkoholkonsum hindeuten. Allerdings normalisiert sich der MCV-Wert nach Abstinenzbeginn nur langsam über mehrere Monate, da die Lebensdauer der roten Blutkörperchen etwa 120 Tage beträgt.
Drogenscreening im Blut
Bei drogenbezogenen MPU-Fragestellungen wird ein umfassendes Drogenscreening durchgeführt, das eine Vielzahl von Substanzen nachweisen kann. Das Screening umfasst in der Regel Cannabis und dessen Metaboliten, Kokain, Amphetamine, Methamphetamine, MDMA, Opiate und Benzodiazepine. Die Nachweiszeiten im Blut variieren je nach Substanz erheblich – während Kokain nur wenige Stunden nachweisbar ist, kann THC-COOH bei chronischem Konsum mehrere Tage bis Wochen im Blut verbleiben. Ein positives Drogenscreening am Tag der MPU führt in der Regel zu einem sofortigen negativen Gutachten.
Umgang mit den Ergebnissen
Die Blutuntersuchungsergebnisse werden vom Gutachter nicht isoliert bewertet, sondern im Kontext aller vorliegenden Informationen interpretiert. Leicht erhöhte Werte müssen nicht zwangsläufig zu einem negativen Gutachten führen, wenn eine plausible medizinische Erklärung vorliegt und die Gesamtdarstellung stimmig ist. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, die die Blutwerte beeinflussen können, sollte eine aktuelle Medikamentenliste und gegebenenfalls fachärztliche Stellungnahmen zur MPU mitbringen. Es ist ratsam, sich rechtzeitig über die zu erwartenden Untersuchungen zu informieren und die eigenen Werte vorab durch den Hausarzt kontrollieren zu lassen.