Urinscreening bei der MPU: Ablauf und Bedeutung
Alles zum Urinscreening bei der MPU: Wie es abläuft, welche Substanzen nachgewiesen werden und wie du dich darauf vorbereitest.
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Bedeutung des Urinscreenings bei der MPU
Das Urinscreening ist ein wichtiges diagnostisches Instrument bei der MPU, das sowohl am Tag der Begutachtung als auch im Rahmen von Abstinenzkontrollprogrammen eingesetzt wird. Im Vergleich zur Blutuntersuchung bietet der Urin den Vorteil längerer Nachweiszeiten für viele Substanzen, da Abbauprodukte über die Nieren ausgeschieden und im Urin konzentriert werden. Bei drogenbezogenen MPU-Fragestellungen ist das Urinscreening oft das Standardverfahren für die laufende Abstinenzkontrolle. Auch bei alkoholbezogenen Fragestellungen kann der Alkoholmarker EtG (Ethylglucuronid) im Urin bestimmt werden.
Ablauf der Urinprobenabgabe
Die Abgabe der Urinprobe erfolgt unter standardisierten Bedingungen, um die Zuverlässigkeit der Ergebnisse zu gewährleisten. In der Regel wird die Probe unter Sichtkontrolle abgegeben, das heißt, eine gleichgeschlechtliche Fachkraft beobachtet den Vorgang, um Manipulationen auszuschließen. Die Probe wird anschließend auf Temperatur und pH-Wert geprüft, um sicherzustellen, dass sie tatsächlich frisch abgegeben wurde. Zusätzlich wird der Kreatininwert bestimmt, der anzeigt, ob die Probe durch übermäßige Flüssigkeitsaufnahme verdünnt wurde – ein zu niedriger Kreatininwert kann als Manipulationsversuch gewertet werden.
Nachgewiesene Substanzen und Grenzwerte
Das Urinscreening kann ein breites Spektrum an Substanzen nachweisen, darunter Cannabis-Metaboliten (THC-COOH), Kokain und Benzoylecgonin, Amphetamine und Methamphetamine, Opiate und Opioide, Benzodiazepine sowie den Alkoholmarker EtG. Für jede Substanz gibt es definierte Cut-off-Werte, unterhalb derer ein Ergebnis als negativ gewertet wird. Der EtG-Wert im Urin kann Alkoholkonsum noch bis zu 72 Stunden nach dem Trinken nachweisen und gilt als sehr sensitiver Marker. Bei einem positiven Vorbefund wird immer eine Bestätigungsanalyse mittels Massenspektrometrie durchgeführt.
Manipulationsversuche und ihre Folgen
Versuche, das Urinscreening zu manipulieren, werden von den Laboren zuverlässig erkannt und haben schwerwiegende Konsequenzen. Häufige Manipulationsversuche umfassen die Verdünnung durch übermäßiges Trinken, die Beigabe von Fremdsubstanzen zum Urin oder den Austausch der Probe durch fremden Urin. Moderne Labore prüfen routinemäßig auf Verdünnungsmarker (Kreatinin, spezifisches Gewicht) und Verfälschungssubstanzen (Oxidationsmittel, pH-Anomalien). Ein erkannter Manipulationsversuch wird wie ein positives Ergebnis gewertet und kann das gesamte Abstinenzkontrollprogramm entwerten sowie die Chancen auf ein positives MPU-Gutachten erheblich mindern.
Vorbereitung und praktische Hinweise
Für eine reibungslose Urinprobenabgabe sollte man ausreichend – aber nicht übermäßig – Flüssigkeit zu sich nehmen, um eine ausreichende Urinmenge abgeben zu können. Es empfiehlt sich, am Tag der Untersuchung keine Mohnprodukte (Mohnbrötchen, Mohnkuchen) zu konsumieren, da diese zu falsch-positiven Opiat-Befunden führen können. Auch bestimmte Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel können das Ergebnis beeinflussen, weshalb eine aktuelle Medikamentenliste mitgebracht werden sollte. Bei regelmäßiger Teilnahme an einem Abstinenzkontrollprogramm ist es wichtig, jederzeit telefonisch erreichbar zu sein, da die Einladung zur Probenabgabe kurzfristig erfolgt und ein versäumter Termin als positives Ergebnis gewertet wird.