MPU bei harten Drogen (Kokain, Amphetamine, Opiate)
Was bei MPU wegen Kokain, Amphetaminen oder Opiaten gilt — Abstinenz, Fristen, Besonderheiten.
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Warum harte Drogen strenger bewertet werden
Bei sogenannten harten Drogen — Kokain, Amphetamine (einschließlich MDMA und Crystal Meth), Heroin und andere Opiate — gilt grundsätzlich: Bereits ein einmaliger Konsum in Verbindung mit dem Straßenverkehr kann zur MPU-Anordnung führen. Im Gegensatz zu Cannabis gibt es hier keine Hypothese D4 (Trennung von Konsum und Fahren bei gelegentlichem Konsum). Die Fahrerlaubnisbehörden gehen davon aus, dass der Konsum harter Drogen per se die Fahreignung in Frage stellt, unabhängig davon, ob eine direkte Verbindung zum Straßenverkehr bestand. Eine Abstinenz von mindestens 12 Monaten ist in den allermeisten Fällen erforderlich.
Abstinenzanforderungen nach Beurteilungskriterien (BK 3.0)
Die Beurteilungskriterien unterscheiden je nach Schweregrad: Bei gelegentlichem Konsum stark süchtig machender Substanzen werden in der Regel 12 Monate Abstinenz verlangt. Bei regelmäßigem Konsum, Mischkonsum oder besonders riskanten Konsumformen (intravenös, Crack-Rauchen) kann die Anforderung auf 15 Monate steigen. Speziell bei Kokain gilt laut BK 3.0 Kapitel D2: 12 Monate reichen aus, wenn es sich um den ersten Abstinenzversuch handelt, nur nasal konsumiert wurde, kein Kontrollverlust vorlag und kein Mischkonsum stattfand. 15 Monate werden gefordert bei früheren Rückfällen, langjährigem Konsum, intravenösem Konsum oder Crack-Rauchen sowie bei Mischkonsum mit Alkohol oder anderen Substanzen.
Besonderheiten einzelner Substanzen
Kokain: Nachweisbar als Benzoylecgonin im Urin 2 bis 3 Tage, im Haar bis zu 6 Monate. Besonders kritisch wird eine Verkehrsteilnahme unter aktivem Kokaineinfluss bewertet. Amphetamine und MDMA: Im Urin 1 bis 3 Tage nachweisbar, im Haar bis zu 6 Monate. Die neuen Leitlinien erlauben unter bestimmten Umständen bei gelegentlichem Amphetaminkonsum eine D3-Einstufung (6 bis 12 Monate statt 15 Monate). Crystal Meth (Methamphetamin) wird aufgrund seiner extremen Suchtpotenz besonders streng bewertet — hier werden fast immer 15 Monate verlangt. Opiate (Heroin, Morphin): Heroin ist im Urin 48 bis 96 Stunden nachweisbar. Bei Abhängigkeit ist eine stationäre Entwöhnungstherapie plus 12 Monate Abstinenz nach Therapieende die Regel.
Vorbereitung auf die MPU bei harten Drogen
Die MPU bei harten Drogen stellt höhere Anforderungen an die Vorbereitung als bei Cannabis. Sie müssen glaubhaft darlegen: Warum Sie mit dem Konsum begonnen haben, welche Funktion die Droge in Ihrem Leben hatte, wie Sie den Ausstieg geschafft haben und welche konkreten Veränderungen Sie in Ihrem Lebensstil vorgenommen haben. Besonders wichtig ist eine tragfähige Rückfallprävention: Wie gehen Sie mit Situationen um, in denen Ihnen Drogen angeboten werden? Haben Sie Ihr soziales Umfeld verändert? Welche alternativen Strategien nutzen Sie zur Stressbewältigung? Eine professionelle MPU-Vorbereitung wird dringend empfohlen — die Bestehensquote liegt bei harten Drogen ohne Vorbereitung deutlich unter dem Durchschnitt.
Quellen und weiterführende Informationen
- MPU-Info Berlin: Abstinenzdauer bei Drogen: https://www.mpu-info-berlin.de/voraussetzungen-mpu/drogen-abstinenzdauer/ - MPU Köln: Kokain und MPU — 12 oder 15 Monate Abstinenz: https://mpu-koeln.de/kokain-und-mpu-wann-reichen-12-monate-abstinenz-aus/ - myMPU: Abstinenznachweis Drogen: https://mympu.com/ratgeber/mpu-abstinenznachweis/drogen/ - Beurteilungskriterien zur Fahreignungsbegutachtung (BK 3.0), DGVP/DGVM
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, medizinische oder therapeutische Beratung.