MPU-Statistiken und Bestehensquoten
Aktuelle MPU-Zahlen der BASt: Bestehensquoten, Durchfallquoten, Anordnungsgründe und Trends im Überblick.
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Datenquelle: Der BASt-Jahresbericht
Die zuverlässigste Quelle für MPU-Statistiken in Deutschland ist der Jahresbericht der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Die BASt ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr und hat unter anderem die Aufgabe, die amtlich anerkannten Begutachtungsstellen für Fahreignung zu überwachen und die Ergebnisse der MPU-Begutachtungen statistisch auszuwerten.
Jährlich veröffentlicht die BASt einen umfassenden Bericht über die Anzahl der durchgeführten Begutachtungen, die Verteilung nach Untersuchungsanlässen, die Ergebnisse der Gutachten sowie langfristige Trends. Diese Daten basieren auf den Meldungen aller akkreditierten Begutachtungsstellen in Deutschland und bilden damit die vollständige Grundgesamtheit ab -- es handelt sich nicht um Stichproben oder Schätzungen.
Für Betroffene sind diese Statistiken aus mehreren Gründen relevant: Sie vermitteln ein realistisches Bild der Bestehensquoten und helfen, die eigenen Chancen einzuschätzen. Gleichzeitig zeigen sie, dass die MPU kein unüberwindbares Hindernis ist -- die Mehrheit der Teilnehmer besteht beim ersten Versuch, sofern eine angemessene Vorbereitung stattgefunden hat.
Anzahl der MPU-Begutachtungen: Ein rückläufiger Trend
Die Gesamtzahl der jährlich durchgeführten MPU-Begutachtungen in Deutschland zeigt seit einigen Jahren einen deutlich rückläufigen Trend:
- 2022: ca. 87.000 Begutachtungen - 2023: ca. 82.261 Begutachtungen (minus 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr) - 2024: ca. 75.257 Begutachtungen (minus 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr)
Dieser Rückgang hat mehrere Ursachen. Zum einen wirkt sich die Teillegalisierung von Cannabis seit April 2024 auf die Anordnungspraxis aus: Mit der Anhebung des THC-Grenzwertes auf 3,5 ng/ml entfallen zahlreiche bisher MPU-pflichtige Fälle. Die BASt verzeichnete 2024 einen Rückgang von knapp 30 Prozent in der Kategorie "Betäubungsmittel, Cannabis und Medikamente" ohne Alkohol- oder Verkehrsauffälligkeiten.
Zum anderen spielen demografische Faktoren und veränderte Trinkgewohnheiten jüngerer Generationen eine Rolle. Studien zeigen, dass der Alkoholkonsum unter jungen Menschen in Deutschland tendenziell zurückgeht, was langfristig auch zu weniger alkoholbedingten Verkehrsdelikten führt.
Trotz des Rückgangs bleibt die MPU ein Massenverfahren: Rund 75.000 Begutachtungen pro Jahr bedeuten, dass täglich über 200 Menschen in Deutschland zur MPU erscheinen.
Bestehensquoten und Ergebnisse
Die Bestehensquote -- also der Anteil positiver Gutachten an allen abgeschlossenen Begutachtungen -- ist die für Betroffene wohl wichtigste Statistik. Laut BASt-Bericht für 2023 verteilen sich die Ergebnisse wie folgt:
- Positives Gutachten (bestanden): ca. 56 Prozent - Negatives Gutachten (nicht bestanden): ca. 36 Prozent - Kursempfehlung/Nachschulung: ca. 8 Prozent
Für 2024 verschob sich das Bild leicht zuungunsten der Teilnehmer: Der Anteil negativer Gutachten stieg auf rund 39 Prozent.
Diese Zahlen müssen jedoch differenziert betrachtet werden. Die Durchfallquote von 36 bis 39 Prozent umfasst alle Teilnehmer -- sowohl gut vorbereitete als auch völlig unvorbereitete. Studien und Erfahrungsberichte von Vorbereitungsinstituten zeigen einen dramatischen Unterschied:
- Teilnehmer ohne professionelle Vorbereitung: Durchfallquote von ca. 63 Prozent - Teilnehmer mit qualifizierter verkehrspsychologischer Vorbereitung: Durchfallquote von unter 20 Prozent
Das bedeutet: Wer sich ernsthaft und professionell vorbereitet, hat statistisch gesehen eine Bestehensquote von über 80 Prozent. Die Gesamtstatistik wird massgeblich durch diejenigen verschlechtert, die die MPU ohne oder mit unzureichender Vorbereitung antreten.
Die Kursempfehlung (ca. 8 Prozent) ist ein Zwischenergebnis: Der Gutachter sieht grundsätzlich Potenzial, aber noch bestehende Defizite. Nach Absolvierung eines Nachschulungskurses nach Paragraph 70 FeV kann die Fahrerlaubnis ohne erneute MPU erteilt werden.
Verteilung nach Untersuchungsanlässen
Die Verteilung der MPU-Begutachtungen nach Anlässen zeigt, warum Menschen zur MPU müssen. Laut BASt-Bericht 2024:
- Alkohol: ca. 43 Prozent -- Alkoholfragestellungen sind mit Abstand der häufigste MPU-Anlass. Darunter fallen Trunkenheitsfahrten ab 1,6 Promille, wiederholte Alkoholverstöesse und Alkoholabhängigkeit.
- Drogen und Medikamente: ca. 25 Prozent -- Der zweithäufigste Anlass, wobei Cannabis traditionell den größten Anteil ausmacht. Durch die Teillegalisierung 2024 ist dieser Anteil erstmals deutlich gesunken.
- Verkehrsauffälligkeiten (Punkte/Straftaten): ca. 19 Prozent -- Hierunter fallen MPU wegen Erreichen von 8 Punkten in Flensburg sowie Straftaten im Straßenverkehr.
- Kombinierte Fragestellungen: ca. 9 Prozent -- Wenn mehrere Anlässe gleichzeitig vorliegen, etwa Alkohol und Punkte oder Drogen und Straftaten.
- Sonstige: ca. 4 Prozent -- Hierunter fallen MPU aus gesundheitlichen Gründen oder bei körperlichen/geistigen Einschränkungen.
Die Bestehensquoten unterscheiden sich auch nach Anlassgruppen. Generell gilt: Bei Punkte-MPU sind die Bestehensquoten tendenziell am höchsten, bei Drogen-MPU am niedrigsten. Dies liegt unter anderem daran, dass bei Drogen-MPU strengere Abstinenzanforderungen gelten und die Rückfallgefahr als höher eingeschätzt wird.
Was die Statistiken für Ihre Vorbereitung bedeuten
Die MPU-Statistiken vermitteln eine klare Botschaft: Die MPU ist anspruchsvoll, aber bei guter Vorbereitung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu bestehen. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse:
Vorbereitung ist der entscheidende Faktor. Der Unterschied zwischen vorbereiteten und unvorbereiteten Teilnehmern ist enorm. Eine professionelle Vorbereitung erhöhnt die Bestehensquote von knapp 37 Prozent auf über 80 Prozent. Das ist die wirksamste Investition, die Sie tätigen können.
Sie sind nicht allein. Mit rund 75.000 Begutachtungen pro Jahr sind Sie einer von vielen Menschen, die diesen Weg gehen. Die MPU ist kein exotisches Verfahren, sondern ein etablierter Prozess, den die Mehrheit der Teilnehmer erfolgreich abschließt.
Ehrliche Selbstreflexion zahlt sich aus. Die Statistiken zeigen, dass die häufigsten Gründe für ein negatives Gutachten nicht fehlende Intelligenz oder mangelndes Wissen sind, sondern unzureichende Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten, fehlende Einsicht und unglaubwürdige Veränderungsbehauptungen.
Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend. Wer zu früh zur MPU geht -- ohne ausreichende Abstinenzzeit, ohne genügend Vorbereitung oder ohne echte Verhaltensänderung -- riskiert ein negatives Gutachten und muss den gesamten Prozess wiederholen. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen.
Die Kursempfehlung ist eine Chance. Wenn Sie ein Gutachten mit Kursempfehlung erhalten, ist das kein Scheitern, sondern eine Alternative zur vollständigen Wiederholung der MPU. Nutzen Sie diese Möglichkeit.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt): Pressemitteilung September 2024 -- MPU: Anzahl der Begutachtungen weiter gesunken -- bast.de/DE/Presse/Mitteilungen/2024/09-2024.html - BASt: Pressemitteilung 2025 -- Anzahl der MPU-Begutachtungen weiter rückläufig -- bast.de/DE/Presse/Mitteilungen/2025/10-2025.html - BASt: Begutachtung der Fahreignung 2024 -- Langfassung -- bast.de - BASt: Begutachtung der Fahreignung 2023 -- Langfassung -- bast.de - TÜV SÜD: MPU-Durchfallquote -- tuvsud.com - TÜV-Verband: Ablauf und Ergebnisse der MPU -- tüv-verband.de
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, medizinische oder therapeutische Beratung.