Trinkmenge und Promille: Fakten zur Berechnung
Wie berechnet sich der Promillewert? Erfahren Sie, welche Faktoren die BAK beeinflussen und warum die subjektive Einschätzung oft trügt.
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Die Widmark-Formel zur Promilleberechnung
Die Blutalkoholkonzentration (BAK) wird nach der Widmark-Formel berechnet: BAK = aufgenommener Alkohol in Gramm / (Körpergewicht × Verteilungsfaktor). Der Verteilungsfaktor beträgt bei Männern durchschnittlich 0,68 und bei Frauen 0,55, da der Wasseranteil im Körper geschlechtsspezifisch variiert. Ein Standardgetränk (0,3 l Bier, 0,1 l Wein oder 2 cl Schnaps) enthält etwa 10 bis 12 Gramm reinen Alkohol. Die Formel liefert einen theoretischen Höchstwert, der praktisch durch den gleichzeitig stattfindenden Alkoholabbau etwas geringer ausfällt.
Faktoren, die den Promillewert beeinflussen
Neben Geschlecht und Körpergewicht beeinflussen zahlreiche Faktoren den individuellen Promillewert. Dazu gehören die Trinkgeschwindigkeit, der Mageninhalt (nüchtern wird Alkohol schneller aufgenommen), der individuelle Stoffwechsel und der allgemeine Gesundheitszustand. Medikamente können die Alkoholwirkung verstärken oder den Abbau verlangsamen, ebenso Müdigkeit und Erschöpfung. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle, da die Enzymaktivität der Alkoholdehydrogenase individuell verschieden ist.
Alkoholabbau im Körper
Der menschliche Körper baut Alkohol mit einer relativ konstanten Rate von etwa 0,1 bis 0,15 Promille pro Stunde ab. Dieser Abbauprozess kann nicht beschleunigt werden – weder durch Kaffee, kalte Duschen noch durch körperliche Bewegung. Das bedeutet, dass nach einem Abend mit 1,0 Promille BAK mindestens 7 bis 10 Stunden vergehen müssen, bis der Alkohol vollständig abgebaut ist. Viele Trunkenheitsfahrten ereignen sich am Morgen nach einer durchzechten Nacht, weil der Restalkohol unterschätzt wird.
Warum die subjektive Einschätzung trügt
Ein entscheidender Punkt bei der MPU ist das Verständnis dafür, warum die eigene Wahrnehmung der Alkoholisierung oft täuscht. Bereits ab 0,3 Promille ist die Aufmerksamkeit eingeschränkt, ohne dass dies subjektiv wahrgenommen wird. Mit zunehmender Alkoholgewöhnung verschiebt sich die subjektive Wahrnehmung noch weiter – gewöhnte Trinker fühlen sich bei 1,0 Promille noch fahrtüchtig, obwohl die objektive Leistungsfähigkeit deutlich eingeschränkt ist. Genau diese Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und tatsächlicher Beeinträchtigung ist ein zentrales Thema im MPU-Gespräch.
Bedeutung für die MPU
Im psychologischen Gespräch wird der Gutachter Ihre Angaben zur Trinkmenge am Tattag mit dem gemessenen Promillewert abgleichen. Wenn Sie angeben, nur zwei Bier getrunken zu haben, der Promillewert aber bei 1,8 lag, deutet dies entweder auf eine Verharmlosung oder auf eine hohe Alkoholtoleranz hin – beides ist problematisch. Ein realistisches Verständnis der Zusammenhänge zwischen Trinkmenge und Promillewert zeigt dem Gutachter, dass Sie sich ernsthaft mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Die Fähigkeit, die eigene Alkoholisierung richtig einzuschätzen, ist ein wichtiger Indikator für eine positive Veränderung.